Bodenvermessung

Bodenvermessung, 2023

3-teilig
3 Pigmentprints auf Aluminium kaschiert
2 x 56,5 x 71,5 cm und 1 x 56,5 x 39,5 cm (gerahmt)
Edition 2 + 1 A.P.

Der Künstler Eduardo Paolozzi wurde 1977 zum Linzer forum metall eingeladen und entwickelte seine Stahlplastik Hommage á Anton Bruckner in enger räumlicher und formaler Korrespondenz zum damals neu eröffneten Linzer Konzerthaus. Matthias Klos folgt in der 3-teiligen Arbeit Bodenvermessung Paolozzis Außenraumplastik durch die sich wandelnden Ansprüche und Nutzungsintentionen eines städtischen Raumes. Die erste Fotografie zeigt ein im Maßstab 1:1 reproduziertes Archivfoto, das jenen Moment festhält, in dem Eduardo Paolozzi 1977 den Standort seiner Plastik in Linz festlegt. Die zweite Fotografie dokumentiert Paolozzis Plastik Hommage á Anton Bruckner, wie sie in den Konsumationsbereich einer 2015 eröffneten Linzer Strandbar integriert wurde. Der Text zwischen den beiden Fotografien schildert nüchtern den Weg des für diesen spezifischen Ort angefertigten Kunstwerks durch die Zeit. Als Künstler suchte Paolozzi in seinem Schaffen intensiv nach einer „Ikonographie der Konsum- und Industriegesellschaft", die sich im Umgang mit seiner Plastik für Linz auf eigentümliche Weise zeigte: Ein Bild, in dem sich ortsbezogene Kunst, die Aktvierung von städtischem Raum mit Nutzungsideen und daran anschließenden Verwertungsinteressen verschränken.

Text der Arbeit:
„Im Jahr 1977 schlug ein Mann an der Linzer Donaulände einen Pflock in den Boden. Eine Fotografie zeigt, wie er diesen mit der linken Hand auf dem Gras ansetzt und einen Hammer in der rechten Hand zum Schlag führt. An jener markierten Stelle eröffnete 2015 die erste Linzer Strandbar, genannt Sandburg. Der Eröffnung ging eine lange Diskussion um die Belebung des Grünareals der Donaulände an der Ernst-Koref-Promenade voraus. Die Stadt Linz stellte für die Strandbar etwa 1.100 m2 Fläche zur Verfügung und beteiligte sich mit 100.000 Euro an den Kosten. Mit dem Gastro-Betreiber wurde ein Umsatzpacht-Modell mit einer Mindestpacht und einem variablen Anteil vereinbart.

Jener Mann, der 1977 den Pflock in den Boden trieb, war der Künstler Eduardo Paolozzi, der damit den Standort für seine Plastik Hommage à Anton Bruckner in Linz festlegte. Hommage à Anton Bruckner war Paolozzis Beitrag zum forum metall. Dieses avancierte Skulpturen Projekt vereinte 1977 nationale und internationale Positionen zeitgenössischer Metall-Bildhauerei in Linz. Eduardo Paolozzi entwickelte und platzierte sein Werk in enger Korrespondenz zum damals neu eröffneten Linzer Konzerthaus, das nach Anton Bruckner Brucknerhaus benannt wurde. Der Linzer Stahlbetrieb voestalpine stiftete Hommage à Anton Bruckner und war an dessen Ausführung beteiligt. Das forum metall wurde als ein perfektes Zusammenspiel von Kunst und Wirtschaft beschrieben, mit dessen Eröffnung im September 1977 die Stadt Linz laut Medienberichten „einen weiteren wichtigen Schritt in der Entwicklung von der Industriestadt hin zur Kulturstadt" ging.

Hommage à Anton Bruckner wurde 1984 - damals noch im Besitz Paolozzis - anlässlich einer Ausstellung vor die Alte Pinakothek nach München versetzt. Peter Baum, Direktor der Neuen Galerie der Stadt Linz, versuchte die Plastik wieder nach Linz zurückzuholen. Die österreichische Ludwig-Stiftung erwarb die Plastik für 36.000 £ - was 2015 etwa einer Kaufkraft von 100.000 Euro entsprach - und 1986 wurde Hommage à Anton Bruckner als Leihgabe wieder an ihrem ursprünglichen, vom Künstler markierten Standort in Linz aufgestellt.

Als die Stadt Linz das Areal an der Donaulände für die Strandbar zur Verfügung stellte, befand sich Paolozzis Plastik inmitten der ausgewiesenen Gastro-Zone. Teilweise von einer Holzterrasse umbaut integrierte man das Kunstwerk in die Konsumationsfläche der Strandbar, deren Gastronomiekonzept in einer Presseaussendung der Stadt Linz als eine „öffenbare Skulptur" beschrieben wurde. Im laufenden Betrieb wurde die Stahlplastik als Sitzgelegenheit wie auch als Abstellfläche für Speisen und Getränke verwendet.

Hommage à Anton Bruckner von Eduardo Paolozzi - ein Künstler, der in seinem Schaffen intensiv nach einer „Ikonographie der Konsum- und Industriegesellschaft" suchte - wurde im Herbst 2021 versetzt. Nach anhaltender Kritik an der Nutzung des Kunstwerkes als „Outdoor-Möbel" hat die Plastik ihren neuen Standort nun etwas weiter entfernt vom Brucknerhauses, nahe der Donau.“

 

ENG:

In 1977, a man drove a stake into the ground on the banks of the Danube in Linz. A photograph shows him placing it with his left hand on the grass and holding a hammer in his right hand ready to strike. In 2015, the first Linz beach bar, named Sandburg, opened at that marked location. The opening was preceded by a long discussion about revitalizing the green area of the Danube promenade on Ernst-Koref-Promenade. The city of Linz provided about 1,100 square meters of space for the beach bar and contributed 100,000 euros to the costs. A revenue-sharing lease model with a minimum lease and a variable share was agreed upon with the F&B operator.

The man who drove the stake into the ground in 1977 was the artist Eduardo Paolozzi, who thus established the location for his sculpture that honors Anton Bruckner in Linz. Hommage à Anton Bruckner was Paolozzi's contribution to the forum metall. This advanced sculpture project brought together national and international positions of contemporary metal sculpture in Linz in 1977. Eduardo Paolozzi developed and placed his work in close correspondence to the newly opened concert hall, which was named after Anton Bruckner as the Brucknerhaus. The Linz steel company voestalpine donated Hommage à Anton Bruckner and participated in its execution. The forum metall was described as a perfect interplay of art and economy, and with its inauguration in September 1977, according to media reports, the city of Linz took "another important step in the development from an industrial city to a cultural city".

Hommage à Anton Bruckner was moved to the Alte Pinakothek in Munich in 1984 - at that time still owned by Paolozzi - for an exhibition. Peter Baum, director of the Neue Galerie der Stadt Linz, tried to bring the sculpture back to Linz. The Austrian Ludwig Foundation acquired the sculpture for £36,000, which in 2015 was equivalent to a purchasing power of 100,000 euros, and in 1986 Hommage à Anton Bruckner was placed back on its original site marked by the artist in Linz on loan.

When the city of Linz provided the area on the Danube promenade for the beach bar, Paolozzi's sculpture was in the middle of the designated F&B zone. Partly enclosed by a wooden terrace, the artwork was integrated into the consumption area of the beach bar, whose gastronomy concept was described in a press release by the city of Linz as an "openable sculpture". During opening hours, the steel sculpture was used as a seating area as well as a surface on which guests could place food and drinks.

Hommage à Anton Bruckner by Eduardo Paolozzi - an artist who intensely sought an "iconography of consumer and industrial society" in his work - was moved in the fall of 2021. After continued criticism of the use of the artwork as "outdoor furniture", the sculpture has now been relocated to a site slightly further away from the Brucknerhaus, near the Danube.